Divine Cast
15.01.2012
Momper
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Special Agent John Brandon hatte sich das alles anders vorgestellt. Es war seine Idee gewesen, den Ausreißern diese Falle zu stellen. Und gleichzeitig wollte er seinen Verdacht bestätigen, dass es sich bei einem der drei tatsächlich um Avelino handelte. Er hatte nur noch abwarten wollen, bis die Falle zuschnappte, sie auch die beiden anderen in die Finger bekamen, und dann wollte er sich, nachdem er aus dem System ausgetreten war (und sich wie immer herzhaft übergeben hatte) um den selbstgefälligen Spaghettifresser kümmern, sobald er sich sicher war, dass es sich um den Mann handelte.
Evans hatte ihn darüber aufgeklärt, dass die drei Flüchtlinge inzwischen selbst über grundlegende Fähigkeiten in der Kunst verfügten, das Mesh zu manipulieren. Aber sie hatte ihn nicht darauf vorbereitet, dass sie Waffen und eine Taktik haben würden und dass sie zu viert wären.
Er war gern derjenige, der zuerst schoss und die Lage unter Kontrolle hatte. Dass er von Avelinos erstem Schuss unvorbereitet überrascht wurde, ließ in ihm jene Wut aufkommen, die ihn auch in seinem richtigen Leben wieder und wieder dazu brachte, unbedachte Dinge zu tun. Dieselbe Wut, die ihn bisher allerdings auch wieder und wieder überleben lassen hatte.

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einige Zeit zuvor…
Granger wurde von Atum wieder fertig gemacht. Imhotep, der gottgewordene Erfinder, korrigierte Brandon sich, als er seine Wahrnehmung auf über 100 Prozent pegelte, um auch jede sorgenvolle und peinlich berührte Regung im Gesicht des Sims von Granger erkennen und genießen zu können.
Brandons eigener Sim lehnte sich entspannt zurück.
Nicht nur hatte er selbst dicke Pluspunkte gesammelt, indem er dafür gesorgt hatte, dass Avelino von seinem kleinen Psycho-Kind getrennt worden war. Er hatte auch dafür gesorgt, dass das Mädchen unauffällig ins System geschleust wurde. Jetzt hatte Atum die Kleine und konnte mit ihr rumspielen, bis er begriff, wie sie funktionierte und ihnen allen zur Unsterblichkeit verhelfen konnte. Damit hatte Brandon sich in eine fabelhafte Position gebracht. In die gleiche – wie er zähneknirrschend zugeben musste – wie sich auch Tae Rin und Atasco gebracht hatten, als sie die koreanischen Zwillinge angekarrt hatten.
Er ließ den Blick von Imhotep ab und starrte die anderen an. Atums Quartett hatte brav Pose genommen. Gerade war es Isis, die mit Imhotep über den zukünftigen Kurs diskutierte. Wie immer stellte Brandon fest, wie sehr es Evans an grundlegendem medizinischem Verständnis mangelte. Es war allerdings unmöglich, nicht sofort rattenscharf zu werden, wenn man den Sim von Isis betrachtete – und sofern man vergaß, dass die Frau, die ihn steuerte, die 50 locker überschritten hatte. Was das Design der Simuloiden betraf, war diese alte Dame unschlagbar gut. Nephthys hatte ihren Senf schon dazu gegeben, als es um die Einführung von Avelinos Tochter ging. Brandon selbst hatte lange mit ihr Kontakt gehabt während der letzten 10 Jahre. Seit der Plan gereift war, das Mädchen von seinem immer einflussreicher werdenden Vater zu trennen. Osiris wirkte tief in sich ruhend und irgendwie abwesend, sofern man das an den Zügen seines Sims erkennen konnte. Worüber auch immer er nachdachte, er war sicher nicht beim Thema. Seth schien sich zu langweilen. Nicht einmal sein exzellent programmierter Sim konnte über die Tatsache hinwegtäuschen, dass ihn das hier besprochene Thema nicht die Bohne interessierte. Vermutlich ließ der User des Sims gerade irgendeine Subroutine laufen und betrachtete sich Aufnahmen von Krieg, nach dem er sich, wie es hieß, so sehr sehnte. Thot hingegen saß mit geradem Rücken und der obligatorischen Papyruskladde auf dem Schoß auf seinem Platz und lauschte gespannt. Er hatte dieses mal ohnehin nichts hinzuzufügen. Die schwarzen Knopfaugen im Ibiskopf des Sims blinzelten nicht einmal. Der Bursche blieb bei der Sache. Ganz schön konsequent dafür, dass Anneza, der ihn steuerte, ein afrikanischer Zyklop war. Und Afrikaner waren für vieles bekannt, nicht aber dafür, sich lange für irgendwas begeistern zu können. Vermutlich wirbelten irgendwelche Buschtrommeln durch seine Wahrnehmung, die den anderen Anwesenden zum Glück erspart blieben. Der Sim von Chepre gab ab und an kleine knackende Geräusche von sich. Offenbar waren zugunsten des Realismus die Mandibeln des Skarabäus-Schädels so geschrieben worden, dass sie so was wie ein Eigenleben hatten. Chepre hatte erst vorhin so massiv an Gesicht verloren, dass es Brandon eine große Freude war, den lächerlichen Mistkäferkopf zu betrachten, der wie eine Schandmaske auf dem Kopf des Sims saß. Er hatte darum gebeten, aus persönlichen Gründen eine der Batterien aus dem System nehmen zu dürfen. Daraufhin hatten er und Atum auf einem geschlossenen Privatkanal miteinander geredet, aber Brandon war klar, dass der Preis, den der User von Chepre zahlen musste, ziemlich hoch sein würde. In der richtigen Welt war der Bursche ihm, John Brandon, vielleicht überstellt. Hier aber waren die Regeln anders. Zuletzt waren da noch die beieinander sitzenden Gestalten von Ptah und Sachmet. Beide mussten sich so gut fühlen wie er selbst. Sie hatten die koreanischen Freaks hergeschafft und sich damit die Gunst des Alten verdient. Brandon dachte bereits darüber nach, was er tun musste, um ihren Status wieder zu senken, als ihm eine Idee kam. Er hob die Hand, nachdem Imhotep verstummt war und sich alle Mühe gab, nicht noch mehr in sich zusammen zu sinken.
Jeder der anwesenden Götter wendete seinen Blick auf die Gestalt von Upuaut. Er aber blickte nur Atum an.
„Atum, Vater und Herr von allem was ist, ich möchte Euch einen Vorschlag unterbreiten.“, ließ er in seiner markigen, kehligen und unmenschlichen Stimme vernehmen.
Wie lächerlich er dieses aufgesetzte, archaische Gehabe auch fand, er konnte nicht umhin, dem ganzen von Zeit zu Zeit einen unterhaltenden Faktor abzugewinnen. Dass er selbst, wie einige der anderen hier, einen Tierschädel hatte, war etwas, worüber er bei Gelegenheit noch mit Isis reden musste. Sicher konnte sie irgendwas tun, damit er sich bei Bedarf auch einen menschlichen Kopf geben konnte.
Der Hundeschädel von Upuaut senkte sich tief und blieb so, während er sprach.
„Ich habe einen Verdacht, was einen der Flüchtlinge betrifft. Und ich möchte Euch dabei behilflich sein, dieses Ärgernis endgültig zu beenden, damit Ihr und wir, Eure Euch ergebenen Kinder, wieder alle Konzentration auf das eigentliche Projekt richten können. Ich möchte anbieten, in Khem zu verweilen und bei der Jagd auf die Abtrünnigen teilzunehmen.“
Nach einer angemessenen Pause fügte er hinzu:
„Lasst uns dies unter vier Augen besprechen, Herr und Vater. Eure anderen Kinder sollen nicht von ihren Pflichten abgehalten werden.“
Atum betrachtete ihn einen Augenblick schweigend und nickte dann sacht.
„Dann bleib hier, Upuaut, Jagdhund. Ihr anderen geht und tut, was ich Euch aufgetragen habe.“
Die Gestalten der anderen erhoben sich und verließen den Kreis. Schließlich brach Upuaut die Stille:
„Lasst mich Euch in aller Demut von meinem Verdacht berichten.“

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Er wusste, dass die Waffen, mit denen sie ihn angriffen, nicht real waren. Aber er spürte jeden Treffer. Er spürte das weiße Blut, das aus jeder Wunde trat und kühl an seiner weißen Haut entlangfuhr. Und dann spürte er, wie er den Boden unter den Füßen verlor und mit ihnen, mit seiner Jagdbeute, die ihn zu besiegen drohte, in die Unendlichkeit des Alls fiel. Er wusste, dass all das hier nur die Simulationen von leistungsstarken Computern waren. Doch als die letzten Kugeln in ihn eindrangen und den Hundekopf des Gottes Upuaut explodieren ließen, als es keine Schwerkraft mehr gab, die ihn in Form gehalten hätte, da wusste er, dass er wirklich starb.

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Ethan Wilson hatte eine schreckliche Nacht. Das System begann, verrückt zu spielen. Erst vor einer Stunde etwa war einer der Probanten nahe daran gewesen, einen Herzinfarkt zu erleiden. Die Einführung der gegensteuernden Substanzen hatte das verhindert. Nun aber gab es einen Totalausfall. Seine Finger tanzten über die Tasten, als er versuchte, die entsprechende Röhre und damit ihren Inhalt zu ermitteln. Die Augen des Mannes waren hinter der spiegelnden Brille verborgen, als sie den Lageplan entlangfuhren. Dann erstarrte sein Gesicht, als er feststellte, dass der Totalausfall sich in keiner der Röhren zutrug. Der Tank, um den es sich handelte, befand sich in Sektor 5. Und damit hatte Ethan Wilson die Gewissheit, dass seine Nacht noch schrecklicher werden würde. Sektor 5 gehörte zum inneren Kreis. Es hatte einen der führenden Köpfe des Projektes erwischt.
16.01.2012 18:53
Ich schätze, Ethan Wilson hatte sich das auch alles anders vorgestellt *g*
Irgendwie tut er mir inzwischen echt leid....
16.01.2012 19:17
Mitleid mit Wilson? Besinne dich Credo!^^
20.01.2012 17:40
Am Anfang dachte ich auch Wilson is bestimmt ein Netter, aber nach dem Telefonat nicht mehr!
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