Credo
12.12.2011
Sonnata
Kommentare: 4
"Kate? Kommst Du...?" Credo lehnte sich weit aus der geöffneten Autotür und schaute mit einem Stirnrunzeln zu Kate herüber. Michele war bereits eingestiegen, ohne sich umzusehen. Sie dagegen war ein gutes Stück entfernt stehen geblieben. Noch ein Stück weiter und die Nebel würden sie verschlucken.
Irgendwie beunruhigte ihn dieser Gedanke.
Diese beiden anderen Menschen waren das Einzige, was es für ihn in dieser Welt an Wahrhaftigkeit gab. Er wußte nicht, was er tun sollte, wenn der Michele aus der Erinnerung ohne sie losfahren würde.
Also durfte das nicht passieren.
Als er sie gerade noch einmal rufen wollte, setzte sie sich in Bewegung und lief auf das Auto zu, dessen hintere Tür Credo noch immer offen hielt.

Während der darauf folgenden Fahrt hatte er Zeit gehabt, seinen Gedanken nachzuhängen.
Michele schien ziemlich genau zu wissen, was er wollte, und er schien auch über die Mittel zu verfügen, um es zu erreichen. Allerdings war es eher die Bereitschaft diese Mittel auf gewisse Art und Weise einzusetzen, die Credo davon überzeugte, daß er sich um Michele keine Sorgen zu machen brauchte.
Aber Kate?
Sie wirkte so zerbrechlich, so in sich gekehrt.
Sie machte sich Sorgen um Tom.
Und sie hatte irgendwie mit seiner Vergangenheit zu tun, das hatte er sogar schon gewußt, bevor sie in Lost Havens angekommen waren.
Phoebe und er waren auf der Suche nach ihr gewesen. Dub Zero.
Das Bild war ein wenig klarer geworden in Lost Havens.
Ungeschönt.
Phoebe hatte ihn verraten.
Zornig starrte er aus dem Autofenster, ohne wirklich hinzusehen.
Sie hatte ihn nach allen Regeln der Kunst umgarnt und sich seine erwachenden Gefühle für sie zu nutze gemacht.
Schlampe.
Aber ihr Weinen hatte ihn überrascht und verwirrt. Dazu kamen ihre Erinnerungen, deren Zeugen sie in Lost Havens auch hin und wieder geworden waren.
Sehr aufschlussreich. Die hatten ihre Brüder.
Möglicherweise war sie doch nicht das eiskalte Biest, das er eine Weile lang in ihr gesehen hatte.
Möglicherweise war sie in Not. Sie brauchte Hilfe. Seine Hilfe.
Es war niemand anderes da. Er mußte sie finden.
Er seufzte und fügte sie in Gedanken zur Liste der Menschen hinzu, für die er sich verantwortlich fühlte.

Und nun? Während er nun - Stunden später -  die Steigeisen erklomm, um die Kanalisation wieder zu verlassen, fühlte er sich gezwungen, den Tatsachen ins Auge zu sehen:
Michele stand seit ein paar Minuten ebenfalls auf dieser Liste.
Credo fluchte im Stillen.
Was auch immer der Italiener da vor hatte, es war riskant und leichtsinnig.
Verdammte Schnapsidee! Den Verstand mußte er verloren haben.
Trotzdem würde Credo ihn suchen, ihn aufwecken, ihm sagen, was zum Teufel er davon hielt, und dann versuchen endlich diesen real gewordenen Alptraum zu verlassen!
Die Kinder mußten ebenfalls gefunden werden.
Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er diese ganze verdammte Anlage in einer einzigen glutroten Flammenhölle explodieren sehen. Aber inzwischen hatte er Personen kennen gelernt, die dieses System nicht verlassen wollten.
Sie mochten ihre eigenen Gründe dafür haben. Credo verstand sie nicht.
Dennoch respektierte er ihre Entscheidung.
Und sie waren nicht seine Gegner.
Verdammt, es war nicht gerade so, als würde die Situation einfacher werden.
Aber was auch immer in Zukunft geschehen sollte, er würde sich und die anderen befreien, oder dabei draufgehen. Alles andere kam nicht in Frage.

I'd rather die, than give you control
(Nine inch nails: Head like a hole)
13.12.2011 15:35
Is dit schön. Das ist immer wieder gleich eine kleine Kopfreise zurück ins traumhaft schöne Khem.
Und wenn Credo "[...] diese ganze verdammte Anlage in einer einzigen glutroten Flammenhölle explodieren[...]" lassen wird, dann wird das bestimmt ein Fest werden.
Keep control, brother.
13.12.2011 21:11
Michelé auf der Liste? Ich bin gerührt!
15.12.2011 21:24
Credo ist ein Guter! :)
16.12.2011 17:32
Ja, davon ist Credo auch überzeugt... ;)
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