Damián
05.03.2015
Änn
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Wütend starrte Yara zum Bootsanleger. Er tat es schon wieder. Schenke dem Mädchen, dass im Hafen Blumen verkaufte sein breitestes Lächeln, während er sie komplett ignorierte. Es war jeden Tag das Gleiche! Als er die Hand hob, um ihr durch die Haare zu streichen, wurde es ihr zu viel: „Erde an Damián! Ich werde hier nicht den ganzen Tag auf dich warten.“ Er verdrehte die Augen, aber wenigstens verabschiedete er sich widerwillig von dem Mädchen. „Und... hast du dich nett unterhalten?“, fragte Yara schnippisch. Er zuckte mit den Schultern. „Du weißt, was man über sie sagt, oder? Sie lässt wirklich jeden ran.“ „Wirklich?“ Er warf einen Blick zurück und betrachtete das Mädchen von oben bis unten. Yara gab ihm einen Schlag auf den Hinterkopf. „Au!“ „Damián du bist ein Idiot!“ Er hob abwehrend die Hände. „Ist ja schon gut. Entspann dich. Ich bin ja schon ganz bei dir und wünsche mir nichts sehnlicher als einen Bissen von deinem liebevoll zubereiteten Essen.“ Er griff nach der Pastete und biss hinein. Sie war noch heiß. „Aha.“ Er öffnete den Mund und fächelte sich Luft zu. „Wirklich....köstlich.“ Von seiner albernen Darbietung musste sie lachen.
Er war jetzt seit etwa einem Jahr bei ihrem Großvater. Seine Mutter war eines Tages zu Yayo gekommen und hatte ihn darum gebeten, den Jungen unter seine Fittiche zu nehmen. Er war zu viel von Frauen umgeben und gerade in seinem Alter setzte ihm das nur Flausen in den Kopf. Also hatte Yayo angefangen, Damián das Fischerhandwerk beizubringen. Und in der Tat zeigte er dabei ein gewisses Talent. Schließlich war er schon immer vernarrt in alles was mit Wasser zu tun hatte. Yara erinnerte sich, wie sie früher immer bei den Felsen vor der Stadt schwimmen gewesen waren, bevor es ihr zur peinlich wurde, sich vor ihm zu entkleiden. Großvater jedenfalls ließ ihn inzwischen an manchen Tagen allein raus fahren, wenn ihn seine Gelenke zu sehr plagten. Heute war so ein Tag. Für Yara war es selbstverständlich, dass sie Damián an solchen Tagen genauso mit Essen versorgte, wie sie es schon seit Jahren bei ihrem Großvater tat. Sie kannte ihn immerhin schon eine gefühlte Ewigkeit und hatte sich gefreut, dass er ausgerechnet bei ihrem Großvater lernen würde. Nur hatte sich seit einiger Zeit etwas in ihrer Beziehung zueinander geändert. Früher war sie die einzige wirkliche Freundin von Damián gewesen. Er war eher schüchtern und in sich gekehrt und mit anderen Kindern seines Alters hatte er kaum zu tun. Sie wusste nicht, warum er bei ihr einen Unterschied gemacht hatte. Fest stand, dass sie einander alles erzählen konnten. Konnten. Irgendwann hatte er angefangen sich auch ihr gegenüber zurückzuziehen. Wenn sie miteinander redeten, merkte sie, dass er ihr Dinge vorenthielt. Und dann hatte er begonnen sich für Mädchen zu interessieren. Die Tatsache, dass sie ihn auch gut fanden, hatten den zurückhaltenden Jungen binnen kurzer Zeit verwandelt und Selbstbewusstsein gegeben. Und da merkte sie, dass sich auch bei ihr etwas verändert hatte. Dass es sie nicht kalt ließ und dass sie eifersüchtig war.
„... du gleich wieder weg?“ Seine Frage riss sie aus ihren Gedanken. „Wie?“ „Ob du gleich wieder weg musst?“ Er fixierte sie mit seinem Blick. Sie drehte schüchtern den Kopf zur Seite. Es war ihr peinlich das sie rot wurde, wo sie sich doch schon so lange kannten. „Ja, ich muss noch diese eine Bestellung abliefern und dann zurück in die Bäckerei.“ Er legte den Kopf in den Nacken. „Schade. Ich werde noch etwas warten müssen, bis ich den nächsten Fang einhole. Es ist so ein schöner Tag und ich dachte, wir könnten noch etwas zusammen machen.“ Yara presste die Lippen zusammen. „Schade, dass daraus nichts wird.“ Er zuckte mit den Schultern. „Dann werde ich mir etwas anderes überlegen müssen.“ Er stand auf. „Also, bis morgen dann?“ Sie verabschiedeten sich und Yara machte sich auf den Weg. Als sie sich noch einmal umdrehte, sah sie, dass er wieder beim Blumenmädchen stand.

Draußen wurde es schon dunkel, als es heftig an der Tür klopfte. Yara öffnete und blickte in Damiáns Gesicht. „Was ist los?“ Sie sah, dass seine Lippe aufgeplatzt war und immer noch ein wenig blutete. „Hast du dich geprügelt? Ich dachte, so etwas machst du nicht mehr.“ Er straffte sich innerlich. „Hör mal, ich muss dringend mit deinem Großvater sprechen. Alleine. Danach erzähle ich dir alles.“ Er ging ins Haus und ließ sie stehen. Nach einem kurzen Moment beschloss sie, zu lauschten. „... bin  Euch sehr dankbar für alles, was Ihr mir beigebracht habt“, sagte Damián gerade. „Es tut mir wirklich leid, dass ich die Ausbildung nicht zu Ende machen kann. Aber ich werde bestimmt viel davon nutzen können auf dem Schiff und dann immer an Euch denken.“ Es folgte Schweigen. Yayo war kein Mann großer Worte. Dann sah sie ihn wieder Richtung Eingang gehen. „Danke.“, sagte Damián. „Schiff? Was hat das zu bedeuten?“ Zorn brandete in Yaras Stimme auf. „Du hast also alles gehört?“, fragte er sie. Sie nickte. „Ja, aber ich verstehe es nicht. Warum kannst du deine Ausbildung nicht zu Ende machen? Was soll der Unsinn mit dem Schiff?“ Er nahm ihre Hand. „Komm, wir gehen ein Stück.“ Sie ließ sich nicht einfach abwimmeln. Immer wieder bestürmte sie ihn mit Fragen. Aber er schwieg. Als sie schließlich am Kai im Hafen ankamen, setzte er sich schwerfällig auf die Mauer. „Ich hab ziemlichen Mist gebaut.“ Sie hob skeptisch eine Augenbraue, denn das klang nicht sonderlich ungewöhnlich. Er seufzte. „Ich hab eine der eisernen Regeln gebrochen. Hab mit eine der Huren bei uns geschlafen. Meine Mutter ist ziemlich sauer.“ Er strich sich über die aufgeplatzte Lippe. Yara setzte sich neben ihn. „Und was bedeutet das?“ Damián schaute sie traurig an. „Das bedeutet, dass ich weggehen werde. Meine Mutter duldet mich vorerst nicht mehr zu Hause. Sie meinte, dass sie versuchen wird, mich an einen ihr bekannten Kapitän als Schiffsjungen zu vermitteln. Sein Schiff liegt wohl momentan vor Anker und wenn das klappt, bin ich in zwei Tagen weg.“ Yara merkte, wie sich ihr Herz zusammen zog. „Aber es gibt doch sicher andere Möglichkeiten. Könntest du nicht zum Beispiel...“, begann sie. Aber er unterbrach sie. „Ich fürchte, dieses Mal soll ich eine Lektion bekommen. Und Mutter hat ziemlich klar gemacht, dass sie keine Widerrede duldet.“ Bevor sie es unterdrücken konnte, merkte sie, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Augenblicklich reagierte er und schloss sie in die Arme. „Hey, kein Grund traurig zu sein. Ich habe gehört, dass  Schiffe bestimmte Häfen immer wieder anfahren. Ich bin also nicht aus der Welt.“ Sie schniefte leicht. „Aber keiner weiß, wie lange das Dazwischen dauert. Und was ist, wenn dir unterwegs was passiert? Hast du schon mal über die ganzen Gefahren nachgedacht? All die Stürme und Piraten unterwegs? Es kann so viel passieren.“ Er schob sie an den Schultern zurück, so dass sie einander in die Augen sehen konnten. „Ich verspreche dir, dass ich zurückkomme.“ Er überlegte kurz, dann leuchteten seine Augen auf. „Weißt du was? Ich bringe dir was mit. Ich meine, ich werde auf dem Meer herumreisen und viele Orte sehen. Was wünschst du dir? Du hast die freie Auswahl. Etwas aus Havena oder von den Zyklopen-Inseln oder irgendwo ganz anders?“ Yara zuckte mit den Schultern. Im Augenblick hätte ihr nichts gleichgültiger sein können. Wer wusste denn schon, ob er überhaupt noch an sie dachte, wenn er kreuz und quer durch die Welt fuhr. „Such  einfach irgendwas aus“, sagte sie schwerfällig. Er nahm ihre Hände in seine. „Gut. Versprochen. Ich bringe dir etwas Schönes mit.“
Sie schwiegen eine Weile und starrten in den dunklen Himmel. „Du kommst doch, um mich zu verabschieden?“ Sie lächelte. „Aber sicher.“ Plötzlich überfiel sie ein Gedanke. Das hier war ihre Chance. Aus einem Gefühl heraus beugte sie sich zu ihm herüber und küsste ihn. Als sie die Augen wieder öffnete, starrte er sie vollkommen fassungslos an. Es war, als hätte sie gerade das Abwegigste der Welt getan. Aber am schlimmsten war, dass er ansonsten gar nicht reagierte.  In ihrem Kopf dröhnten Vorwürfe. Blöder Fehler. Freundschaft für immer zerstört. Warum reagiert der Idiot nicht? Sie blickte betroffen zu Boden. „Also dann...“, sagte sie um die Stille zu durchbrechen, die auf sie hereinstürzte. „Ja.“ Er nickte und stand auf. Ohne ein weiteres Wort zu sagen ging er.
Als die „Sommerrose“ am übernächsten Tag im Hafen ablegte, war Yara nicht da um Damián zu verabschieden.
05.03.2015 13:50
Und dann am Ende der Showdown:
Damián ersteigt siegreich der Schlacht ums Mittelreich (der er sich aus irgendeinem Grund angeschlossen hat), und da taucht Yara auf. "DUUUUUUU! Keine Postkarte, nüscht."
09.03.2015 22:45
So wird es kommen, angefangen bei der Schlacht ums Mittelreich :D
14.04.2015 19:52
Ochje....die arme Yara....*schnüff*
14.04.2015 19:53
Oh und....Samira wurde doch dann bestimmt gefeuert, oder? :D
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