Damián
04.03.2015
Änn
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Genüsslich ließ sich Samira in das heiße Wasser gleiten. Um sie herum war alles still. Eine entspannende Ruhe, die sonst selten hier im Bad herrschte. Die anderen Mädchen waren beschäftigt und ihr letzter Auftrag war schneller vorbei gewesen, als erwartet.  Also hatte sie die Gelegenheit genutzt, allein zu baden.
Das „Haus der Glückseligkeit“ war ein guter Ort. Das hatte Samira schnell festgestellt. Im Gegensatz zu allen Hurenhäusern, in denen sie bisher gewesen war, war es hier überaus komfortabel und sauber. Die Preise hielt den üblichen Abschaum fern und die meisten Kunden hatten eine gewisse Stellung. Aber der wichtigste Unterschied war, dass das Haus von einer Frau geführt wurde. Luz hielt über alles ihre schützende Hand und konnte zu einer wahren Löwin werden, wenn sie das Gefühl hatte, dass irgendwer ihren Mädchen etwas Böses wollte. Samira war vor einigen Monaten hierher gekommen. Es war bei weitem nicht ihre erste Station.
Mit zwölf Jahren war sie von ihrem eigenen Vater an einen vorbeiziehenden Händler verkauft worden, in der Hoffnung so die anderen hungrigen Mäuler in der Familie stopfen zu können. Sie war in einer miesen Absteige irgendwo bei Kuslik gelandet. Ihre Unschuld hatte sie an einen widerwärtigen Kerl verloren, der kaum noch Zähne im Mund hatte, dafür aber jede Menge Haare auf den Rücken. Ihr jüngeres Ich hatte widerstandslos alles passieren lassen und verängstigt abgewartet bis es vorbei war. Das änderte sich, als ein vorbeikommender Söldner sie entdeckte und dem Hurenhaus abkaufte. Seine Beteuerungen ihrer Schönheit machten ihr zum ersten Mal in ihrem Leben bewusst, dass sie eine Wirkung auf Andere hatte. Doch es ging nicht lange gut. Bei einer Meinungsverschiedenheit in einem Gasthaus wurde ihr Begleiter kurzerhand erstochen und sie als „Kriegsbeute“ weiter verkauft. So landete sie im Hurenhaus in Taberasco. Hier lernte sie die Freude am Spiel. Sie erkannte, dass sie nicht alles hinnehmen musste, sondern eine gewissen Einfluss hatte, den sie nutzen konnte. Und sie begann, unterschiedliche Rollen zu spielen: das unschuldige Mädchen, die Verführerin, die Freundin, die Strenge. Von nun an bestimmte sie, wo es lang ging. Im Alter von 16 Jahren stellte sie fest, dass ihr das nicht mehr genügte. Sie wollte mehr. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion trat sie, mit Hilfe eines Freiers, die Flucht an. Ihr Ziel war eine große Stadt, keine Kreuzung auf einer Landkarte, sondern einen Ort an dem es mehr gab, als ein paar arme Bauernjungen und Banditen. Als sie nach mehreren Monaten Grangor erreichte, wusste sie, dass sie am Ziel war. Die Hafenstadt spie täglich neue Schiffsladungen potentieller Kunden aus. Außerdem boten sich gewisse Aufstiegschancen, von der einfachen Hure zur Kurtisane und damit zu Einfluss. Eines Abends war sie Luz begegnet. „Du wilderst in meinem Gebiet“, hatte sie gesagt. Sie war ganz ruhig, aber die Art, wie sie es sagte, duldete keinen Widerspruch. „Ich werde dir keine Szene machen und nicht  sagen, dass ich keine Konkurrenz dulde. Gezänk unter Huren schadet nur dem Geschäft. Ich werde dir statt dessen ein Angebot machen.“ Samira war beeindruckt von der Art und Weise, wie diese Frau Souveränität und Macht ausstrahlte. Ihr war sofort klar, dass ihr jemand gegenüber stand, der all das repräsentierte, was sie selbst sein wollte. Die Entscheidung war einfach gewesen. Samira war ein Teil des „Haus der Glückseligkeit“ geworden.
Seit dem verbrachte sie ihre Zeit mit Beobachten und Lernen. Luz schaffte es immer den richtigen Ton zu treffen. Sie  wusste, wann man Strenge walten lassen musste und wann Sanftmut angebracht war. Durch dieses Gespür machte sie in Verhandlungen unschlagbar. Selbst mit hohen Herren konnte sie in einer faszinierenden Leichtigkeit umgehen. Niemand hätte gewagt das Wort „Hure“ in  ihr  Anwesenheit auch nur auszusprechen. Ihr diplomatisches Geschick hatte das Haus zu einem geheimen Treffpunkt für politische Konspirationen jeglicher Art gemacht. Man konnte sich darauf verlassen, dass die ausgeheckten Geheimnisse innerhalb der Mauern blieben. Soweit Samira es beurteilen konnte, hatte Luz nur einen Schwachpunkt – ihren Sohn. Er war nicht ihr einziges Kind, aber  das einzige, das hier lebte. Ihm gelang es regelmäßig, sie aus der Fassung zu bringen.
Samiras Finger glitten sanft durchs Wasser und strichen ein paar Blüten zur Seite, die darin umher schwammen. Missmutig starrte sie sie an. Sie war 17 Jahre alt und konnte sich durchaus vorstellen, noch eine Weile hier zu verbringen und dann ihr eigenes Geschäft aufzumachen. Dafür hätte sie sich allerdings gewünscht, wesentlich näher an den bedeutenden Entscheidungen im „Haus der Glückseligkeit“ beteiligt zu sein. Sie brauchte eine Position, die ihr wirkliche Einblicke verschaffte. Doch leider war sie nur eine unter vielen. Sie sah gut aus, zugegeben. Trotzdem hatte sie bisher keinen der wirklich bedeutenden Kunden bekommen. Und auch sonst hatte sie noch keine große Gelegenheit gehabt, aus der Gruppe der Mädchen hervorzustechen. Andererseits, dachte sie, als sie mit dem Kopf untertauchte, war sie erst seit kurzem hier. Ihr blieb noch genügend Zeit, um auf sich aufmerksam zu machen.
Als sie wieder auftauchte, stellte sie überrascht fest, dass sie nicht mehr allein im Raum war. „Entschuldigung... ich dachte gerade wäre... ich komme später noch einmal wieder.“ Es war Luz' Kind. Während er die Worte vor sich hin stotterte, lag in seinem Blick der Ausdruck von einem Jungen, der nicht so recht wusste, wo er zuerst hinschauen sollte. Schließlich entschied er sich dafür, sich umzudrehen und den letzten Satz der Tür entgegen zu stammeln. Samira betrachtete ihn für einen Augenblick abschätzig. Er besaß die Schlaksigkeit von jemanden, der in kurzer Zeit ein gutes Stück gewachsen war und noch nicht so recht wusste wohin mit Armen und Beinen. Trotzdem hatte er etwas an sich, dass sie neugierig machte.  „Warte“, sagte sie und erhob sich. Er blieb starr stehen, wie ein eingeschüchtertes Tier. Langsam nährte sie sich ihm. Sie wusste, dass es vor kurzen einen kleinen Aufruhr gegeben hatte, weil ein paar der Mädchen ihn dabei erwischt hatten, wie er sie versteckt beobachtete. Luz hatte darauf reagiert, in dem sie den Jungen eine Anstellung im Hafen besorgt hatte. Samira hatte aber gerade eine eigene Idee bekommen. Sanft legte sie ihm eine Hand auf die Schulter und drehte ihn zu sich um. Amüsiert stellte sie fest, dass er krampfhaft versuchte auf eine Stelle irgendwo hinter ihr zu schauen. Sie lächelte ihr süßestes Lächeln. „Damián, richtig?“ Er nickte mit zusammengepressten Lippen. Sie drehte seinen Kopf, so dass sie ihm fest in die dunklen Augen blicken konnte. „Es muss unglaublich schwer für einen Jungen deines Alters sein, an einem Ort wie diesen zu leben.“ Ihre Finger glitten langsam an seinem Körper hinab. „All die Verlockungen.“ Er stöhnt leicht, als sie mit der Hand ihr Ziel erreichte. „Ich könnte dir da ein wenig helfen.“ Mit diesen Worten tauchte sie ab und öffnete seine Hose.
Wie zu erwarten war, ging es ziemlich schnell. Als sie sich wieder erhob, blickte er sie mit einer Mischung aus Überraschung, Verwirrung und Begierde an. Sie hatte seine vollständige Aufmerksamkeit. „Wie alt bist du?“ Er zögerte einen Moment, bevor er antwortete. „Dreizehn.“ Sie ging zu dem Stuhl, auf dem sie ihre Sachen abgelegt hatte und zog sich an. „Und noch Jungfrau?“ „Ja.“ Es klang eher wie eine Frage, als eine Aussage. Samira zuckte mit den Schultern. „Ich bin fast ein bisschen überrascht. In Anbetracht …“, sie hob den Finger und ließ ihn unbestimmt im Raum kreisen „deines Umfelds hätte ich gedacht, dass man sich schon früher... in den Ring stürzt. Ich selbst war jünger, als du jetzt.“ Sie trat wieder auf ihn zu, bis sie ganz nah bei ihm war. Sie flüsterte ihm ins Ohr „Aber es gibt ja Möglichkeiten, das zu ändern, nicht wahr kleiner Prinz?“ Seine Augen verengten sich. Sie warf sich die Haare über die Schultern und ging zur Tür. „Ich wünsche dir süße Träume heute Nacht.“ Und damit ließ sie ihn stehen. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie zu ihrem Zimmer ging. Sie hatte das Spiel eröffnet und sie war sich ziemlich sicher, dass es nicht lange dauern würde, bis er darauf einging. Vermutlich hatte sie gerade einen Weg gefunden, Luz' Aufmerksamkeit zu bekommen. Nur konnte sie sich noch nicht ausrechnen, wie positiv diese ausfallen würde.
04.03.2015 19:45
Passieren da jetzt schlimme Dinge?
14.04.2015 19:44
Ich kann ihre Ungläubigkeit ja verstehen *g*
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