Primal Rage - June
18.07.2012
Änn
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Sie schlug ihm mitten ins Gesicht, so hart sie konnte. Unter dem Schlag ihrer Faust spürte sie seine Nase bersten. Tränen traten ihm in die Augen. Blut spritzte und ein Lächeln husche über ihr Gesicht.

Während sie im Vorzimmer des Direktors auf die große Predigt wartete, war ihr Kopf wie leer gefegt. Nur ein Gedanke flackerte von zu Zeit zu Zeit wie ein wütender Impuls auf: Er hatte es nicht anders verdient. Er war schon immer ein verdammt überhebliches Arschloch gewesen. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, wann sie ihm eine dafür verpasste. Es war ein befriedigendes Gefühl, als er heute plötzlich verstummt war.

Ihre Mutter kam in der ihr eigenen nervösen Art herein gewuselt und warf ihr einen der berühmten „Was-hast-du nun-schon-wieder-angestellt“-Blicke zu. Die Sekretärin ließ sie sofort passieren und sie verschwand im Büro des Direktors. June fläzte sich noch etwas tiefer in ihren Stuhl und wartete auf ihren großen Auftritt. Als sie schon fast vor Langeweile eingeschlafen war, ließ sie ein „Miss Kutesa?“ hochfahren. Die Hand ihrer Mutter zitterte leicht, als sie sich neben ihr setzte. Sie hatte bereits Mühe sich zu beherrschen. „June, ich habe mit deiner Mutter besprochen, dass ich dich bis auf weiteres von der Schule suspendiere.“, begann der Direktor. „Wenn du in einem Monat zurückkehrst, wirst du außerdem nach der Schule unserem Hausmeister zur Hand gehen. Und ich hoffe für dich, dass die Eltern des Jungen nicht Anzeige wegen Körperverletzung gegen dich erstatten. Das wäre nicht gut für unsere Schule. Hast du verstanden.“ Sie zuckte mehr mit den Schultern als das sie Nickte. Eigentlich war ihr alles egal.

„Warte nur bis dein Vater wieder zu Hause ist. Das wird Ärger geben.“ Seit dem sie das Schulgelände  verlassen hatten, hatte sie gezetert und geschrien. Nun, zu Hause schritt sie wütend auf und ab. „Er wird nicht zurück kommen. Dieses Mal nicht.“ June hatte dies ganz ruhig gesagt. Sie konnte nicht sagen, was sie dazu veranlasst hatte das zu sagen. Doch nun, da sie es ausgesprochen hatte, war sie sich sicher, dass es stimmte.
Sicher, ihr Vater war oft weg von zu Hause, sie konnte nicht einmal sagen ob es etwas mit seinem Job zu tun hatte, denn oft waren es sehr unregelmäßige Abstände in denen er verschwand. Doch er war immer wieder aufgetaucht, nach ein paar Wochen oder spätestens Monaten. Es war erst drei Tage her, dass er dieses Mal nicht nach Hause kam. Und doch von irgendwo tief aus ihrem Inneren hatte sie plötzlich die Gewissheit, dass sie ihn nicht wieder sehen würde. Den einzigen Mensch auf dieser Welt, bis auf Sam, den sie kannte, der sich normal ihr gegenüber verhielt. Sie nicht misstrauisch aus dem Augenwinkel beobachtete. Derjenige der ihr stolz Luganda, die Sprache seiner Heimat beigebracht hatte und wunderbare Geschichten erzählen konnte. Er war fort, ohne sich richtig zu verabschieden. Und als sie den Gedanken zuließ, wurde ihr auch klar, warum sie heute zum ersten Mal in ihrem Leben einen Anderen verletzt hatte. Nun war alles egal.  

„Was hast du gesagt?“, fragte ihre Mutter. „Papa wird nicht zurück kommen, du wirst sehen.“ Sie verließ das Zimmer. Sie war sieben Jahre alt und ihre Aussage sollte sich bewahrheiten.
18.07.2012 14:03
Und so beginnt es also...
20.07.2012 23:40
Uuh! Jetzt verstehe ich das erst! Bloß gut, daß sie doch noch gesehen hat, daß das der Säure-Typ nicht ihr Vater war! Oh je!!
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