Hye-Jung Paeng
14.09.2015
Änn
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Die blitzenden Lichter um sie herum teilten die flüssigen Bewegungsabläufe der Menschen in viele abgehackte Einzelbilder. Es roch nach Schweiß und Alkohol und Parfüm, während sich die zuckenden Leiber in peitschenden Wellen auf und ab bewegten. Sie wusste nicht genau, was sie antrieb, andererseits war da der Rhythmus, den sie fühlte. Der tief dröhnende Bass, der jede Faser in ihrem Körper durchdrang und in Schwingung versetzte. Es fühlte sich verdammt gut an. Schüchtern warf sie Sota ein Lächeln zu, als sie ihren Körper versuchsweise zu der Vibration bewegte. Er grinste breit zurück und trotz aller Leute um sie herum, waren sie in diesem Augenblick die einzigen zwei Menschen auf der Welt.
Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, ehe sie spürte, wie er nach ihrer Hand griff. Ein Zucken seines Kopfes deutete zum Rand der Tanzfläche. Sie folgte ihm, sich langsam durch die Menge schiebend. Mit ein paar Gesten fragte er sie, ob sie etwas trinken wollte, aber sie schüttelte nur den Kopf. Allein die Tatsache, dass sie in diesem Club war, reichte ihr als Akt der Rebellion. Sota reichte es nicht.

Ihre Hände zuckten in einer Reihe von zornigen Gebärden, die sie ihrem Vater wütenden entgegenwarf.
Es ist meine Entscheidung.
Mein Leben.
Nicht deins.
Ich will nicht immer außerhalb sein.
Ich will verstanden werden.  
Einfluss nehmen.

In ihrem Kopf drängte sich die Erinnerung an jenen Abend zurück, an dem sie vollkommen hilflos gewesen war. Wie Sota sich vorgebeugt und sie geküsst hatte. Das hatte ihr gefallen. Doch er war weiter gegangen, fordernder geworden, bis sie es nicht mehr mochte. Das hatte sie versucht ihm zu zeigen, doch er ignorierte es. Sie hatte sich losreißen wollen, doch er hielt sie in festem Griff. Schließlich sollten die anderen Leute auf sie aufmerksam werden, doch ihre seltsamen Gesten und Laute waren einfach zu ignorieren. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie sich wirklich machtlos gefühlt. Behinderung. Eine unüberwindbare Barriere. Schließlich hatte sie sich gerettet, indem sie ihre Fingernägel schmerzhaft in sein Gesicht grub,so dass er sie loslassen musste. Und sie rannte. Aus dem Club. Weg von den Menschen. Weg von den tanzenden Lichtern. Weg von allem.

Sie wusste, dass sie es ihrem Vater nie begreiflich machen würde, aber das Angebot des Konzerns war für sie nicht abzulehnen gewesen. Und nun würde er ihre Entscheidung für immer verachten.Traurig betrachtete sie seine Antwort und schüttelte nur den Kopf. Dann ging sie durch die Tür zum Behandlungszimmer.

„Wie fühlt es sich an?“ Fassungslos starrte sie auf die Lippenbewegung des Doktors. Ein vertrauter Input, den sie deuten konnte. Damit kannte sie sich aus. Alles andere war zu viel. Zu viel von allem. Das beständige Summen über ihr. Das ständig wiederkehrende Piepen. Rauschende Stimmen und elektrisches Knacken. Schlürfende uns stampfende Rhythmen von draußen. Brummen und Rauschen. Töne überall. Ein Chaos, das ihren Kopf zu überfluten drohte.
„Laut.“, tastete ihre Zunge vorsichtig nach einer Antwort. Augenblicklich erschrak sie, Der Ton war noch ungelenk und wusste nicht ganz, wie er klingen sollte. Trotzdem hatte sie gerade zum ersten Mal ihre eigene Stimme gehört.
16.09.2015 07:44
Eine interessante Erzählebene ohne Ton. Find ich gut.
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