Jibril al-Faqadi
03.11.2011
Momper
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Feine Schnitte. Er würde später keine Probleme haben, sie unauffällig wieder zu vernähen. Die Proben hatte er entnommen und in die steinernen Gefäße zu den Tinkturen gegeben. Jetzt musste er warten.
Er hatte das Fenster geöffnet, nachdem er die Entnahme gemacht und die Organschau abgeschlossen hatte. Der beißende Geruch hatte sich nun aber verflüchtigt (oder er hatte sich an ihn gewöhnt), und die bittere Kälte, die von draußen hereinzog, war ihm zuviel geworden. Also schloss er es wieder und betrachtete die Tote.
Die junge Frau lag aufgebahrt im Behandlungsraum. Sie war nackt, ihre Blöße hatte er aber, wie es die Sitte gebot, mit dem weißen kumaş bedeckt. Er hatte ihre Hautoberfläche genauestens untersucht. Makellos. Keine Verletzungen. Einzig die schmale Wunde über dem Herzen störte diesen Eindruck.
Er hatte den Vorgang wieder und wieder rekonstruiert. Ein einziger Stich. Keine Wundmale an den Händen. Keine Male, die darauf hinwiesen, daß sie festgehalten wurde. Das Lächeln. Dieses seltsame, zufriedene Lächeln, das sie auch jetzt noch auf dem Gesicht trug. Als hätte sie den Tod begrüßt.
Sicher, in der Heimat des Hekim gab es tatsächlich Situationen und Bräuche, während denen man den Tod freudig in Empfang nahm. Aber hier?
"Was daran macht Dich so zufrieden?", fragte er in den stillen Raum.
Natürlich erhielt er keine Antwort.
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