Rowan Trevelyan
18.10.2014
Momper
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"Also schlagt Ihr vor, den Bären durch eine Ziege zu ersetzen.", fasste Baron Gorland zusammen.
"Ich muss meinem Vater ein verlockendes Angebot unterbreiten.", bestätigte Rowan, als würde eine Bestätigung notwendig sein. Sein Vorhaben war eindeutig. Er hatte es allen Anwesenden erklärt, hatte den Plan offenbart, als die Söldnerin die Speisekammer verlassen hatte. Es hatte diese hinterhältige Erpressung gebraucht, damit die Anderen sahen, mit welchen Mitteln zu kämpfen Haus Trevelyan gewohnt war. Und tatsächlich war er sich bewusst, welch aufregender Gedanke es für Gorland und Elias sein musste, womöglich die Stärke von Hügeltrutz auf ihrer Seite zu wissen. Würde Fionan Trevelyan einwilligen und zu den Bannern rufen, um gegen Haus Caylawn zu ziehen, dann stünden die Chancen gut, dass Carnaby gerettet würde. Das war Elias und Cara am wichtigsten. Und da sie nun den Konflikt in das Haus von Gorland getragen hatten, musste es auch dem Baron von großer Bedeutung sein, auf der Seite des Stärkeren zu stehen. Es war nun an Rowan, dafür zu sorgen, dass keiner der Anwesenden an der militärischen Überlegenheit der Ziegen über die Bären zweifelte. Und um Fionan zu einem Beitritt zu bewegen, bedurfte es einer mächtigen Siegesprämie, die den Herzog von Hügeltrutz in Aussicht gestellt wurde.
Die Wahrheit war, dass Rowan diesen Krieg tatsächlich wollte. Er wollte seinen Vater in diesen Konflikt zwingen. Tatsächlich hatte er Mitgefühl für die Lage der jungen Cara und wollte sie gern in Glückseeligkeit mit ihrer Familie wiedervereint sehen. Aber was er vor allem sah, war die Möglichkeit, seinem Vater ein so mächtiges Geschenk zu machen, dass Rowan selbst etwas erbitten konnte.
Und was er wollte, war keine Kleinigkeit.

"Baron Gorland und Elias Carnaby haben eingewilligt, mich als König von Weiden anzuerkennen, wenn ich sie von Caylawn befreie." Fionan las die Botschaft erneut. Wenn er irgendetwas dabei empfand, konnte Rowan es nicht sehen.
"Oder wie auch immer Ihr das Land dann nennen wollt, Vater." Rowan bemerkte, wie seine Hand den Weinkelch unbewusst erneut zum Mund führte, doch er brach rechtzeitig ab. Der Tanz mit seinem Vater würde bald ein Ende haben. Es war dringend erforderlich, jetzt nichts mehr zu trinken. Er fuhr fort.
"Allerdings müsst Ihr Euch rasch entscheiden. Wenn Baron Gorland innerhalb eines Monats keine Antwort bekommt, dann ist Lord Elias nicht mehr sein Gast, sondern sein Gefangener."
"Gorland ist vorsichtig.", entgegnete Fionan. Rowan war sich nicht sicher, ob er Anerkennung oder Verachtung in der Stimme seines Vaters erkannte.
Nägel mit Köpfen!
Er lehnte sich nach vorn und sah seinem Vater in die Augen. "Lasst es mich tun. Ich werde diesen Krieg für unser Haus führen. Für Euch. Ich erobere Euch einen Thron, Vater." Fionan hob ein wenig den Kopf und nickte dann. Rowan erkannte für einen Augenblick Zufriedenheit.
Zeit, diesen wunderbaren Augenblick zwischen Vater und Sohn zu zerstören.
"Doch zunächst will ich Euch meinen Preis nennen."
Fionans Körperhaltung veränderte sich nur leicht, als er den Kopf ein wenig schief legte.
"Dein Preis? Was willst du? Einen Titel? Land?"
"Ich begehre weder Titel, noch Ämter. Ich bin nicht zum Würdenträger gemacht, wie Ihr wisst. Ich will etwas viel Höheres. Mein Preis soll eine besondere Blume sein."
Rowan sah, wie Fionan zunächst fragend blickte, bis sich schließlich der Ausdruck des Verdachts in sein Gesicht stahl. Noch ehe sein Vater es selbst erraten konnte, sprach Rowan weiter.
"Ich möchte, dass Ihr ein geheimes Abkommen mit Haus Montrose trefft und eine Eheschließung zwischen mir und Lynn arrangiert." Damit hatte er es gesagt.
"Dir ist klar, dass Du von unserer Königin sprichst?", antwortete Fionan und seine Stimme war schlagartig ein kaltes Flüstern.
"Der König ist alt. Wieviele Jahre hat er wohl noch? Fünf? Wenn der König tot ist und der Prinz alt genug, um...", fuhr Rowan fort, als Fionan ihn unterbrach.
"Allein es auszusprechen ist Hochverrat!"
"Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine junge Witwe erneut vermählt wird." Rowan hatte sich das alles wieder und wieder durch den Kopf gehen lassen und lies sich jetzt nicht aufhalten. "Und wenn Haus Trevelyan mit einer Krone verziert wird, dann hätte Haus Montrose Verwandtschaft in zwei Königshäusern."
Dieses Argument ergab tatsächlich Sinn. Im Raum war es schlagartig still.
"Und keine Brautschauen mehr.", fügte Rowan schließlich hinzu, "Wenn Ihr mir diese Wünsche erfüllt, dann entfache ich für Euch einen Krieg und kehre mit Eurer Krone heim oder gar nicht."
Fionan betrachtete seinen Zweitgeborenen schwiegend. Schließlich nickte er. Damit hatte er in den Handel eingewilligt. Rowan leerte seinen Kelch und nahm das kurze Stück bis zur Tür in wenigen Schritten, ohne noch ein Wort zu sagen.
Draußen stand, wie vereinbart, Katharina Belmonte und bewachte den Raum. Sie löste sich von der Wand, als er die Tür schloss und nahm sein Tempo auf. Rowans Blick wanderte zur Decke empor und er wünschte sich nicht zum ersten Mal, er würde einfach durch die Mauern sehen können. Denn irgendwo in den Räumen oberhalb der steinernen Freitreppe wartete Lynn.
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