Caspar Miles
12.11.2011
Momper
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„Name?“
„Caspar Miles, Sir.“
Wie sie alle glotzten, diese Monster mit den zerschnittenen Gesichtern und den dummen Augen und diesem entsetzlichen Gestank. Dazwischen die ohne Gesichter.
„Alter?“
„37. Nein, 38.“
Der Polizist schrieb seinen Namen auf das Papier, klassisch, wie dieser alte Inspektor aus dem Fernsehen. Caspars Blick blieb aber auf das Gesicht des Mannes geheftet mit den vor Geltungssucht geil geschwollenen Lippen und dem monströs verbreiterten Nasenrücken, der sein Gesicht zu einer Fratze verzerrte. Dem gefiel es, dass die Leute ihn ansahen, wenn er jemand anders fertig machte.
„Warum haben Sie es getan?“
„Was getan, Sir?“
Eine der anwesenden jungen Frauen begann wie eine riesige Raubkatze zu schnurren und leckte sich über die Lippen mit ihrer stark durchbluteten Zunge, als sie den Cop ansah. Alles klar.
„Sie haben die Spiegelfassade eingeworfen. Mit einem Pflanzenkübel.“
„Er schien mir passend, Sir.“
Die Scherben knirschten noch immer unter den Schuhen der glotzenden Kreaturen.
Der Polizist blickte Caspar nun mit seinen schneeweißen, pupillenlosen Augen an.
„Er… was?“
„Der Kübel, Sir. Er schien mir groß genug für den Spiegel.“
Jetzt fühlte sich der Cop persönlich beleidigt und ließ seine Fänge aufblitzen. Caspar versuchte ruhig zu bleiben. Fänge. Tausendmal gesehen.
„Verarschen Sie mich nicht, Mister Miles!“
Die weißen Augen des Cops versanken schlagartig in den schwarzen Löchern seiner Augenhöhlen, als seine Stirn sich wütend und scharfkantig nach vorn schob. Caspar war sich sicher, der Mann würde gleich über ihn herfallen. Er dürfte. Wer würde es ihm verdenken?
„Vielleicht kann ich Ihnen helfen, Sir.“, hauchte die Frau mit der stark durchbluteten Zunge und machte einen Schritt nach vorn, „Ich habe alles genau gesehen.“
Ihre Zunge fuhr aus ihrem Mund, und Caspar konnte sehen, dass sie von vielen Schnitten an der Spitze in so viele Teile gespalten war, dass sie eher wie ein Pinsel wirkte. Ein Pinsel voll roter Farbe.
„Ich arbeite im Drugstore gleich am Eingang.“, diktierte sie, „Mein Name ist Sandy Holm.“
Sandy. Der Cop notierte ihren Namen auf einem neuen Zettel.
„Dieser Mann hatte vor etwa einer halben Stunde gerade das Einkaufszentrum betreten“, denunzierte sie, „da blieb er wie angewurzelt vor der neuen Spiegelfassade stehen.“
Die neue Spiegelfassade, Frechheit! Caspar nickte.
„Die neue Spiegelfassade?“, fragte der Polizist.
„Sie wurde erst vor ein paar Tagen angebracht.“, antwortete Sandy Holm beflissen, „Der neue Creative Director des Zentrums hat beschlossen, den Eingangsbereich heller und attraktiver zu gestalten. Wer fühlt sich in hellen, großen Räumen nicht gleich viel wohler?“
Sie lächelte künstlich, und Caspar sah ihre Augen schwarz werden, als sie sich begeisterungsheischend in der Menge der anderen Kreaturen umsah. Als sie Caspar wieder anblickte, fiel ihr Lächeln schlagartig von ihr ab und wich Ekel. Ihr Gesicht wurde so scharfkantig, dass man damit etwas hätte ausschaben können, als sich sämtliche Flüssigkeit in ihren Schädel zog und die Knochen austreten ließ.
„Mister Miles hier blieb jedenfalls stehen. Irgendwie verängstigt. Und dann nahm er einen der Kübel und warf ihn in den Spiegel. Sie können sich nicht vorstellen, wie wir uns alle erschreckt haben.“
Als sie den Cop wieder ansah, wurde ihr Gesicht weich wie ein angefaulter Pfirsich.
„Zum Glück sind sie so schnell gekommen, Officer.“
Die Pinselzunge leckte über die vernarbten und weit ins Gesicht geschnittenen Mundwinkel und verschwand dann in dem Loch ihres Mundes. Der Polizist klappte seinen Notizblock zu und nickte.
„Mister Miles, gehen Sie davon aus, dass es eine Schadensersatzklage gegen Sie geben wird.“ Der Cop sprach, ohne Caspar anzusehen. „Zur weiteren Abwicklung der Sache brauchen wir noch weitere Daten von Ihnen. Kommen sie mit zum Department. Und Sie, Misses Holm…“
„Miss.“
„Miss Holm...“, verbesserte er sich und blickte sie lüstern an, „Ich brauche auch eine Möglichkeit, Sie zu kontaktieren für etwaige Nachfragen.“
Caspar stieg ins Polizeiauto ein und sah, wie Sandys Zunge vor Lust fast glühte, als sie dem Officer ihre Visitenkarte gab.
Schadensersatzklage. Ein neuer Brief für seinen Stapel.
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