Bruyne Wildwanderer
03.11.2011
Momper
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"Kommt schon, Ihr Teufel! Ist das alles?"
Der alte Mann balanciert auf einer der abgeschliffenen Mauern. Vor sich hat er eine Fackel in eine Spalte gesteckt, an der er die präparierten Pfeile entzündet. Feuer reinigt. Feuer verbrennt alles, was schlecht ist. Sein Gesicht ist rot bemalt, mitsamt des weißen Bartes, und Über die Augen hat er schwarze Balken gezogen.
Er ist der Ca'thal maht, der kommt und kämpft, als würde er den Tod suchen.
Die Orks und Bilwisse und Warge unten liegen zerstreut am Boden. Einige stehen noch in Flammen. Der Alte hat keine Schmerzen. Aber er hat nicht alle erwischt. Bald werden mehr kommen. Größere. Die besser organisiert sind.

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"Ich werde es für Dich verwahren.", sagt Lalven.
Wie schwer es ist, die Pfeife herzugeben. Doch zuletzt hat sie zuviel für ihn gewogen. Lalven scheint das Gewicht zu spüren, das sie nun trägt. Wieder eine Belastung. Und das ihr, die nun für zwei die Verantwortung trägt.
"Namárie«!", sagt er.

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Die Trommeln werden lauter. Der Alte sucht sich eine bessere Position, versteckt sich hinter den großen Trümmern, bewegt sich an den zerbrochenen Mauern entlang durch die Schatten. Wie groß es hier ist. Dabei sagt man doch, daß einem alles kleiner vorkommt, wenn man einen Ort geht, den man lange nicht mehr gesehen hat.
Hier wieder die Fackel entzünden. Sie müsste vor ihrer Sicht versteckt sein. Erst als sie brennt, bemerkt er den großen Schatten, der direkt neben ihm ist.
"Úzgash bashárr!", brüllt der Jarn-Orlog, als er seine gigantische Keule hebt. Vielmehr ist sie ein Baum, dessen Äste grob abgebrochen sind, so daß viele kleine Spitzen aus dem Stamm ragen. Um ihn herum hüpfen schnatternd jämmerliche Bilwisse mit Speeren. Mit einem ohrenbetäubenden Dröhnen saust die Waffe des Trolls herab.

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"Ich werde erneut für eine Weile verschwinden.", sagt er zu seinem Gast, "Fühlt Euch so lange, als würde Euch das Haus gehören."
Der Angesprochene legt den Kopf schief.
"Aber Ihr seid doch gerade erst zurück gekehrt.", antwortet er seinem Gastgeber, und wie immer ist seine Sprache ein wenig stockend, weil er sie gerade erst gelernt hat. Dann mustert er den Alten.
"Ihr wisst nicht, ob Ihr je zurückkehrt.", stellt er dann fest.
Der Alte zieht die Kapuze Über den Kopf und sagt dann:
"Das weiß man nie, wenn man das Haus verlässt."
Er geht zur Tür und wählt einen der Bögen.
"Wenn Gäste kommen, dann bietet ihnen Essen und trinken an. Und ein Bett, wenn sie wollen."

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Die silbernen Klingen tanzen so wild wie schon lange nicht mehr und fordern Blut.
Einer für die dumme Eitelkeit. Schnitt! Einer für das alberne Selbstmitleid. Stich! Einen dafür, daß Du Überhaupt etwas gesagt hast. Der Panzerhandschuh bricht einem das Jochbein. Einen für Deinen Verrat an Freund und Bruder. Rückhandschlag! Einen dafür, daß Du ein verdammter, alter, dummer Narr bist. Zwei tiefe Schnitte Über der Brust! Einen für jeden dummen Gedanken.
Die Bilwisse liegen im Kreis um ihn herum und zucken noch ein letztes Mal. Der Alte keucht und wendet seinen Blick nun dem Troll zu.
Dieser hat zugeschlagen, und der Ca\\\'thal maht ist gerade so entkommen. Die Baumkeule des Ungetüms hat die Wand eingerissen, und er hat bis jetzt gebraucht, sie wieder heraus zu ziehen.
Der Alte entzündet einen Pfeil und richtet ihn auf die Kehle des Trolls.
Einen für jeden dummen Gedanken. Der da zählt für zwei.
Er kann nicht umhin, grimmig zu grinsen, als der Pfeil zischend eindringt und den Troll in Flammen hüllt.
Die Warge, die mit roten Augen aus den Schatten schleichen, grinsen ebenfalls.

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Verdammter Dickkopf! Was daran versteht er denn nicht?
Er hat gewonnen. Und er, der Alte, hat verloren.
Fast scheint es, als würde Myrka aus dieser Sache ein Bühnenstück machen. Sitzt auf dem Pferd, hat sie beobachtet, säuft, wankt, läuft weg, will nicht reden. Er benimmt sie wie einer, der alles verloren hat.
Dabei hat er doch gewonnen.
Dann ist er theatralisch in den See gesprungen und abgetaucht.
Der Alte steht tropfnass auf einem Stein und versucht, den jungen Mann zu sehen in der Dunkelheit. Aber Myrka ist ein guter Schleicher, zu gut für den Alten, und so kann der nur dastehen und dumm in die Nacht glotzen.
"Wie willst Du sie jemals glücklich machen, wenn Du Dir nicht mal einen Sieg eingestehen kannst?", ruft er Über den See.
Natürlich antwortet keiner.

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Das Rudel schlägt zu. Ein Warg schnappt nach den Beinen, ein weiterer nach dem Arm, ein dritter rennt um den Alten herum und wirft sich ihm von vorn entgegen, so daß er nun auf de Rücken liegt, gehalten von allen drei Fellbestien. Dann kommt der vierte, langsam, genüßlich. Der Warg, der den Alten gerammt hat, drängt nun den bemalten Kopf zur Seite, so daß die Kehle frei liegt.
Der vierte, der größer ist als die anderen, stellt die Vorderpfoten mit den grausamen Hakenkrallen auf die Brust des Alten und blickt ihn an. Dieser verdreht die Augen so, daß er dem Tier ebenfalls in die Augen sehen kann. Und dann brüllt der Mann, der auf dem Boden liegt, und der Leitwarg winselt, springt zurück, zieht den Schwanz ein und rennt.
Die anderen drei lassen los, fassungslos Über das Versagen ihres Anführers. Und schon blitzen die Klingen in den Händen des Alten, als er sich erhoben hat.
Dann brüllt er noch einmal, und als wäre es ein verabredetes Zeichen, verschwinden die drei Warge winselnd und jaulend in der Dunkelheit.
Der Alte löscht die Fackel und lässt sich hinter eine andere Mauer fallen.
Die Warge haben ihm Arme und Beine zerbissen, und er braucht dringend eine Pause.
Noch ist das Ende nicht in Sicht. Noch ist nicht jeder Schmutz weggebrannt.

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\\\"Nimm ihn. Halte ihn. Sei gut zu ihm. Und er soll das gleiche für Dich tun.\\\", sagt er, \\\"Denn wenn er das nicht tut, werde ich ihn tatsächlich windelweich prügeln.\\\"
\\\"Dränge mich nicht in eine Richtung.\\\", sagt Roawen nur und schweigt wieder.
Sie presst ihre Lippen aufeinander und ist unsicher.
Er hat schon Seite an Seite mir ihr gekämpft, damals, in Agamaur, und er hat gesehen, daß sie sich sehr wohl verteidigen kann. Dennoch wirkt sie jetzt, gerade jetzt so schutzbedürftig, daß er sie am liebsten ganz umhüllen und abschirmen will mit sich.
Aber das kommt natürlich nicht in Frage. Das alles ist absurd! Sie könnte seine Urenkelin sein.
Das Wasser fließt leise an ihnen vorbei, und lange sagen sie gar nichts.

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Die Trolle und Orks und Bilwisse und Warge suchen die Ruinen nach ihm ab, und es sind zu viele. Die kann er unmöglich alle schaffen. Aber ihm ist eingefallen, daß er gar nicht wegen denen hier ist.
Er hat sich die schlimmsten Wunden notdürftig verbunden und die Blutung gestoppt. Nun schleicht er wieder durch die Schatten, und er versucht sich zu erinnern.
Dort drüben war einmal der Marktplatz. Der ist auch weiterhin eine strategisch wichtige Stelle, aber nun stehen dort Belagerungswaffen und Zelte.
Er geht weiter. Hier war die Schmiede, dort ein paar Wohnhäuser, hier... Er bleibt stehen. Die Ruinen des alten Festhauses sind noch gut zu erkennen. Hier wurden früher Stadtfeste gefeiert, die Bälle des Königs und... Vermählungen.
Er kann nicht lange hier bleiben, aber er nimmt sich dennoch ein paar Augenblicke Zeit.
Aber auch deswegen ist er nicht gekommen.
Eines dieser Wohnhäuser ist es gewesen.

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"Ich bin an Deiner Seite, so lange ich lebe.", sagt er.
"Und ich bin an Deiner. So lange ich lebe.", sagt sie.
Er vergisst all die Leute, die um sie herum stehen, als sie sich küssen.
Er hat sein nussbraunes Haar in Knoten nach hinten gebunden nach Art der Vorväter. Ihres ist mit Blumen geschückt. Weißdornblüten.
Als ihr Kuß endet, schauen beide sich verlegen um, denn es hat ein bisschen länger gedauert. Aber die Gäste haben ein Grinsen im Gesicht, also grinsen sie zurück.
Dann beginnen die Spielleute, und die beiden müssen den Tanz eröffnen. Das mussten sie lange Üben, und es war das, wovor sie am meisten Angst hatten.
Keiner scheint zu bemerken, daß sie die kompliziertesten Schritte einfach weglassen, und als die Gäste sich schließlich zu ihnen gesellen und ebenfalls tanzen, sind beide erleichtert.

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"Dachte ich es mir doch, daß ich Euch hier finden kann, Eidbrecher!"
Der Alte steht in dem Loch, das einmal der Türrahmen war. Die beiden Gestalten blicken auf, scheinen ihn jetzt erst zu bemerken.
Kaerdhan und Hennegarl stürmen zur Tür. Sie raunen und flüstern, mehr können sie nicht mehr tun.
Da spannt er den Bogen, dessen Spitze zu leuchten beginnt.
Ein Gelehrter hat ihm dieses Öl einmal gezeigt und gesagt, es sei gut, um Unholde und Schatten zu vertreiben. Nun weiß er auch, warum er es gekauft hat.
Die beiden blassen Schatten weichen vor dem Licht zurück und fauchen.
"Alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen, was?", fragt er, "Im Leben wie ihm Tod. Ihr habt Euch früher gern hier getroffen, um Euch zu beratschlagen. Und Ihr tut es noch immer."
Die beiden Schatten winden sich, suchen einen Weg, um wegzukommen vom Licht.
Das Getrommel und Gebell wird lauter. Sie haben seine Spur und er hat wenig Zeit.
Undeutlich sind ihre Gesichter noch zu erkennen, ein Stück von dem, was sie einmal waren, und in ihnen spiegelt sich Furcht, Angst und unendliches Leid. Und plötzlich Erkenntnis, wer da vor ihnen steht.
"Findet Frieden.", sagt der Alte, als er den Pfeil gehen lässt, dessen rasanter Flug schlagartig abgebremst wird, als er in den durchsichtigen Leib von Kaerdhan eindringt. Schnell hat er einen zweiten Pfeil eingelegt und feuert auf Hennegarl. Die beiden Schatten wirbeln Überrascht herum, verbiegen sich, zucken, fauchen, brennen und zerfließen schließlich, während der Alte Lichtpfeil um Lichtpfeil in sie hineinjagt.
"Findet Frieden."
Dann erst nimmt er die Trommeln wieder wahr. Zu nahe. Sie sind gekommen, und er hat sich zuviel Zeit gelassen.

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"Haben alle die Vorgehensweise verstanden?"
Kaerdhan befestigt seinen Schild und wartet auf eine Antwort. Die anderen nicken, und Hennegarl rollt die Pläne ein.
"Dann zeigen wir ihnen, daß sie kein Morgen haben.", brüllt er nun, "Für die Rückkehr Arthedains! Mögen bessere Tage kommen!"
Der Chor antwortet:
"MÖGEN BESSERE TAGE KOMMEN!"
Noch ehe sie zu ihren Einheiten gehen, dreht der Veteran sich noch einmal um und schaut die anderen müde an.
"Passt auf Euch auf, Freunde!"
Er schaut Hennegarl an und beide verschwinden.

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Der Pfeil hat seinen Oberarm durchbohrt. Ein weiterer steckt im linken Schenkel. Es verlangsamt ihn, und er hat nun keine Zeit mehr, die Pfeile anzuzüden.
Der Tross ist hinter ihm her. Er hört das Kläffen der Warge und das aufgeregte Schnattern der Bilwisse und das Dröhnen der Trollstimmen.
Er hechtet sich zwischen den Trümmern der Stadt entlang, geworfene Felsbrocken fliegen Überall herum. Und Speere. Und Äxte.
Die enge Treppe hinunter, dann vorbei an den Gattern, die sie gebaut haben. Dann sieht er den abgeschlagenen Kopf der Statue, die mitten vor dem Eingang liegt.
Pfeile fliegen, und er spürt, wie einer davon seine Flanke trifft. Ein weiterer wird abgehalten vom Flügelhelm der Statue.
"Habt Dank, König!", raunt er, als er zum großen Tor kommt, wo der alte Rotfuchs steht.
Der Alte hechtet sich auf das Pferd.
Dann prescht das Tier los, und er hat Mühe, sich darauf zu halten. Eng schmiegt er sich an den Rücken.
"Sauber.", denkt der Alte, "Jetzt ist es ein bisschen sauberer."
Dann kommen die Schmerzen und überfluten seinen Verstand.
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